Der Weg der Kaffeebohne von der Pflanze in unsere Tasse ist geprägt von verschiedenen Stationen und Arbeitsschritten, die uns als Genießer und Konsument oft gar nicht bewusst sind. Für uns ist der Kaffee oft nur einen Knopfdruck entfernt. Dabei hatte die Kaffeebohne davor eine weite Reise. Nach der Kultivierung beginnt dieser ganze Prozess mit der Kaffeeernte. Doch auch hier gibt es keine Einheitlichkeit. Denn wann und wie geerntet wird, ist abhängig von der Größe des Anbaugebietes, der Beschaffenheit der Böden und den Präferenzen der jeweiligen Käufer.

Das Leben der Kaffeepflanze

Nach dem Anpflanzen einer Kaffeepflanze dauert es 3 – 4 Jahre bis sie erste Früchte trägt.  Ihre Produktivität und ihr Ertrag steigt immer weiter, bis sie ihren Höhepunkt nach 6-8 Jahren erreicht. Erst nach 20 Jahren versiegt die Produktion.

Wie lange die Reifung der jeweiligen Kaffeekirschen dauert, ist abhängig von dem Klima und anderen geografischen Faktoren. Der beliebteste und bekannteste Arabica braucht 6-8 Monate zur Reife. Die Canephora Bohne dagegen kann nach 9-11 Monaten geerntet werden.

Kaffeeernte Hintergrund
Kaffeeernte Bohnen

Die Kaffeeernte ist komplex, denn nicht alle Kirschen an einer Pflanze sind zur selben Zeit erntebereit. Es gibt klare Unterschiede im Reifegrad. So sind grüne Früchte noch unreif und in ihrem Säuregrad noch nicht fertig ausgebildet. Schwarze hingegen sind überreif und schon fermentiert. Sie schmecken faulig und sind nicht genießbar. Eine reife Kaffeebohne ist (wenn es nicht eine spezielle Sorte ist, zum Beispiel eine Yellow Bourbon) dunkelrot. Nur dann kann der versprochene Geschmack mit all seinen Nuancen und Facetten garantiert werden und die Kaffeeernte hat zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden.

Meistens wird abgewartet, bis ein Großteil der Kirschen reif ist und mit der Ernte begonnen wird. Die zwei wichtigen Methoden bei der Kaffeeernte sind das Picking und das Stripping.

Beim Picking sind meistens geschulte Arbeiter am Werk. Sie haben jahrelange Erfahrung, erkennen die richtige Reife von Kirschen und selektieren sie gezielt. Dadurch kommen mehr reife Früchte in den Korb.

Was die Stripping Methode der Picking Methode voraus hat, ist der finanzielle Aufwand. Wenn auch das Anschaffen der Maschinen zur Ernte erstmal sehr kostspielig ist, können diese Ausgaben nach einiger Zeit durch die schnellere und dadurch ausgiebigere Ernte wieder eingeholt werden. Oft bleibt Bauern und Plantagenbesitzern jedoch nichts anderes übrig, als mit der Hand zu pflücken. Die Erntemaschinen sind für Berghänge oder enge Pfade und Wälder nicht geschaffen. Sie benötigen einen ebenerdigen Untergrund und genug Abstand zwischen den Pflanzen, was bei der Kaffeeernte in einigen Anbaugebieten funktioniert, jedoch eben nicht bei allen. 

Kaffeeernte: Picking vs. Stripping

Grundsätzlich gilt: Aus beiden Methoden lassen sich hervorragende Kaffees produzieren.

Entgegen der gängigen Aussagen (v.a. aus dem Marketing), dass handgepflückter Kaffee besser, hochwertiger oder edler wäre, lassen sich allein aus der Pflückart keine Rückschlüsse schließen, welcher Kaffee “besser” ist.

Kaffeeernte Tasche

Auch bei der händischen Kaffeeernte werden oft nicht nur die reifen Kirschen gepflückt, sondern alles, was gerade am Strauch oder Baum ist und halbwegs reif erscheint. Bei der Handernte kann es vorkommen, dass manchmal sogar noch gänzlich grüne Bohnen gepflückt werden, weil man auf Grund des erwartbaren Wetters schauen muss, dass die Kirschen vom Baum kommen, da sie sonst ganz verkommen würden. Andersherum können auch maschinell geerntete Kaffees große Preise gewinnen. Ein gutes Beispiel dafür ist der maschinell geerntete Capim Branco der Familie Andrade, der geschmacklich mit Nuancen von Milchschokolade und Honig überzeugt. Dieser Kaffee steht in der Hochebene – Bilder des Anbaugebiets erinnern mit langen Reihen voller Kaffeesträucher häufig an Weinanbaugebiete. Spezielle Erntemaschinen hier sorgen dafür, dass die Kaffeekirschen geerntet werden. Die Familie gewinnt mit ihrem Kaffee regelmäßig Preise beim “Cup of Excellence”. 2018 wurde er zum “Besten Kaffee Brasiliens” gekürt, womit klar sein dürfte, dass maschinell geerntete, wie auch von Hand geerntete Kaffees qualitativ zu den Spitzenreitern gehören können und nicht eine Methode automatisch besser ist als die andere bei der Kaffeeernte.

Viel entscheidender als die Pflückart ist daher die Frage: Wie gut ist die Sortierung im Anschluss? Im Spezialitätenkaffeebereich werden die Kirschen nach händischem und maschinellen Pflücken immer nochmal manuell nach verlesen und sortiert nach Qualitäten, Reifegraden und möglichen Defekten. Da die Schritte nach der Ernte ebenso spannend sind, wie die Ernte an sich, widmen wir diesem Thema noch einen separaten Artikel.

Hier eine Liste unserer beliebtesten Röstungen

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