Selbst wenn wir morgens noch fast die Augen zu haben und uns eigentlich zurück in die Tiefschlafphase wünschen, ist die Kaffeemaschine routiniert bedient. Auch im Büro führt häufig der erste Weg in die Küche, um sich mit Kollegen beim morgendlichen Filterkaffee oder Espresso über den Tag zu unterhalten und was wäre ein Stück Kuchen am Sonntag im Cafe oder bei den Eltern, wenn nicht auch eine große Tasse Milchkaffee oder das Glas Latte Macchiato bereit stehen würden? Ist es Zeit für einen Kaffee-Entzug?

Der Konsum von Kaffee hat sich so sehr in unser Leben integriert, dass er aus dem Alltag kaum noch wegzudenken ist. Zusätzlich dazu, belegen verschiedenste wissenschaftliche Studien der vergangenen Jahre, dass das im Kaffee enthaltene Koffein – zumindest in geringen Dosen – unser Herz-Kreislaufsystem stimuliert, unsere Konzentrations- und Speicherfähigkeit positiv beeinflusst und unsere Leistung fördert.

Der Gedanke, an die morgendliche Tasse Kaffee zu verzichten (jedenfalls für eine Zeit lang) kommt jedoch immer häufiger vor. Kaffee-Entzug – zumindest für einen gewissen Zeitraum – scheint im Trend zu liegen.

Coffee to go Schamong

Die größten Kaffee Mythen

Werfen wir einen Blick auf drei große Kaffee-Mythen werfen, die häufig Anreiz sind, mit dem Kaffeetrinken aufzuhören oder es zu reduzieren.

Mythos 1: Kaffee ist schlecht für Magen und Herz und lässt den Blutdruck in die Höhe schnellen

Ob, und wenn ja inwiefern Kaffee und Koffein gut oder schlecht für den menschlichen Körper sind, wurde in der Vergangenheit häufig untersucht. Über den Kaffee-Entzug gibt es daher jede Menge Studien. Die Experten der Deutschen Herzstiftung geben folgende Entwarnung: Kaffee (aber auch schwarzer und grüner Tee) führen durch den Koffeingehalt kurzfristig zu einer Erhöhung des Blutdrucks um etwa 10 – 20 mmHG circa 20 – 30 Minuten nach Konsum. Das ist jedoch nicht schädlich für den Körper, sondern sagt nur, dass direkt nach einer Tasse Tee oder Kaffee nicht sofort der Blutdruck gemessen werden sollte, da die Ergebnisse sonst verfälscht sind.  Bei allen regelmäßigen Kaffeetrinkern verringert sich jedoch auch dieser Effekt nach zwei bis drei Wochen, da sich der Körper an die aufgenommene Menge Koffein gewöhnt. Vier bis fünf Tassen Kaffee können laut der Experten über den Tag verteilt problemlos getrunken werden. Lediglich Personen mit bekannten Herzrhythmusstörungen sollten ein Auge darauf haben, wie sich ihr Tee- oder Kaffeekonsum auf ihren Körper auswirkt. Wenn eine Verschlechterung spürbar wird, dann sollte ggf. auf stark koffeinhaltige Getränke verzichtet werden oder der Konsum sollte heruntergefahren werden. Bei regelmäßigem Konsum zeigt sich mit Blick auf den Blutdruck langfristig sogar etwas Erstaunliches: Eine Forschungsgruppe des Universitätsspital Lausanne fand heraus, dass bei Nichtrauchern ein regelmäßiger Kaffeekonsum den Blutdruck senken kann und so das Risiko für Herzinfarkte oder Hirnschläge verringert. Warum man dennoch manchmal beim Kaffee-Entzug Kopfschmerzen bekommt erklärt die Schmerzklinik Kiel.

Auch mit Blick auf die Verträglichkeit und die Wirkung von Koffein im Magen gibt es hier keinen Grund, dem Mythos des gesundheitsschädigenden Kaffees zu glauben. Wissenschaftlich ist hier für den Kaffee-Entzug also kein Grund zu finden. Nach dem Trinken einer Tasse Kaffee wird das Koffein über Magen und Dünndarm im gesamten Körper verteilt. Ein Kaffee oder Espresso nach einer Mahlzeit hilft, die Verdauungsvorgänge zu beschleunigen und ist damit nicht per se schlecht für den Magen. Einige Menschen mit sensiblem Magen reagieren auf Kaffeekonsum jedoch mit einer erhöhten Ausschüttung von Salzsäure, was dazu führt, dass sie den Kaffee nicht so gut ‘vertragen’. Für solche Personen reicht jedoch der Griff zum entkoffeinierten Kaffee oder zu einer Reduktion der Menge. Gesundheitliche Bedenken gibt es hier keine. Ein Kaffee-Entzug kann helfen, muss aber nicht sein.

Eine umfassende Auflistung, wie Kaffee auf unseren Körper wirkt hat das brandeins Magazin zusammengestellt. 

Mythos 2: Kaffee entzieht dem Körper Flüssigkeiten

Eine Volksweisheit besagt, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht und man daher zu jeder Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser trinken soll. Ernährungsexperten sind sich jedoch einig, dass diese dehydrierende Funktion, die Kaffee nachgesagt wird, nicht stimmt. Es schadet sicher nicht zum Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken – es bringt aber auch keinen Mehrwert, denn dem Flüssigkeitshaushalt unseres Körpers ist das egal. Wer ganz neu oder nach einem Kaffee-Entzug wieder anfängt regelmäßig Kaffee zu trinken, der wird zu Beginn merken, dass er häufiger auf die Toilette muss – und damit Flüssigkeit verliert. Doch mit Blick auf die Ausscheidungsmenge unterscheiden sich Wasser und Kaffee nicht. Dem Wasserhaushalt des Körpers ist es daher egal, was genau wir trinken. Der harntreibende Effekt lässt übrigens auch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wieder nach. 

Wir stimmen Kafka gerne zu: “Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.”

Herz Kaffee

Mythos 3: Kaffee kann süchtig machen

Gerade beim Thema Kaffee-Entzug ist der dritte Mythos besonders spannend: Kaffee kann süchtig machen. Mediziner sind sich bis heute nicht darüber einig, ob man übermäßigen Kaffeekonsum als Koffeinsucht definieren kann. Eine rein stoffliche Abhängigkeit, wie beispielsweise beim Nikotin (Rauchen) oder bei anderen Drogen gibt es nicht. Nach einer gewissen Zeit kann Kaffeekonsum allerdings zur Gewohnheit werden, wenn er zum Beispiel zu einem morgendlichen Frühstück immer dazu gehört. “In Europa kann man die Koffeinsucht nach dem europäischen Klassifizierungssystem diagnostizieren, in Amerika handelt es sich nur um koffeinbezogene Störungen.”, sagt Suchttherapeuten Dr. Wolfgang Beiglböck. Doch egal ob klassifiziert oder nicht, die Symptome bei einem Kaffee-Entzug sind bei fast allen Personen gleich. Gerade wenn Koffein von heute auf morgen gänzlich aus dem Alltag gestrichen wird, kommen Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizbarkeit. Diese Probleme vergehen jedoch mit der Zeit, da sich der Körper an die Situation gewöhnt. Eine Umfrage von L’TUR kam zu dem interessanten Ergebnis, dass 22% der Deutschen zumindest vorübergehend auf Kaffee verzichten würden, wenn sie dafür einen zusätzlichen Tag Urlaub bekommen würden.

Kaffee Zuckerdose

Kaffee ist in aller Regel ein Genussmittel und kein Suchtmittel.

Daher ist ein Kaffee-Entzug nur in den seltensten Fällen medizinisch notwendig und auch eine Reduktion des Koffeins kann schon eine positive Wirkung haben. Menschen berichten davon, dass sie sich jetzt noch mehr auf die wenigen Tassen Kaffee freuen, dass sie den Geschmack und Geruch intensiver wahrnehmen, sich bewusst für nachhaltige und teurere Marken entschieden haben oder die Tasse Kaffee jetzt wieder etwas Besonderes und nichts Alltägliches geworden ist.

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